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Mein Bericht über Fritz Klee,
erschienen im Sammler-Journal, Ausgabe August 2002.
Hier mit einigen Ergänzungen.



Professor Fritz Klee
geb. 24.08.1876 in Würzburg
gest. 12.12.1976 in Stuttgart

Prof. Fritz Klee
Die bekannten Nachschlagewerke geben nur wenig Aufschluss über sein Leben, sein Schaffen, sein Werk und seine Verdienste.

In Fachkreisen wird Fritz Klee als „Pionier der modernen Porzellanherstellung“ bezeichnet.

Ein Schöngeist und eine starke Persönlichkeit, mit dem nötigen Gespür für Kunst und Porzellan,
bekannt als Gründer und Direktor der Königlich Bayerischen Fachschule für Porzellanindustrie / Selb.

Nach seinem Architekturstudium an der Technischen Hochschule in München war Fritz Klee für größere Baugeschäfte und Architekturbüros in Dresden ( bei Lossow & Vieweger ) und München ( Städt. Bauamt ) tätig.1 Schon um die Jahrhundertwende machte er durch seine kunsthandwerklichen Entwürfe, originellen Plakate und Exlibris auf sich aufmerksam.

Exlibris von Fritz Klee
Exlibris von Fritz Klee
Exlibris von Fritz Klee
Exlibris von Fritz Klee
Am 28.10.1900 beantragte er laut Münchner Stadtarchiv eine Gewerbeanmeldung für Architektur und Kunstgewerbe, sein Büro befand sich damals in der Zieblandstr. 29 in München.

Von 1904 -1908 war er als Architekt beim Stadtbauamt München beschäftigt und übernahm, unter dem Architekten Franz Schachner, die künstlerische Leitung des Baubüros des Schwabinger Krankenhauses in München, was ihm schließlich einen zunehmenden Bekanntheitsgrad verschaffte.
„In seiner Freizeit entwarf er Dekors für Steingut und Porzellan, fertigte Pläne für Glasfenster und Mosaiken an und gestaltete Silbergefäße."2

Ausstellung München 1908, kunstgewerbliche Arbeiten
1908 beteiligte er sich an einer Ausstellung in München mit kunstgewerblichen Arbeiten.

Postkarte entworfen von Fritz Klee
Postkarte für die Ausstellung München 1908
Plakatentwurf, Fritz Klee, 1908
Für diesen Plakatentwurf erhielt Fritz Klee den III. Platz
Postkarte entworfen von Fritz Klee
Postkarte für die Ausstellung München 1908
Gründung der Fachschule für Porzellanindustrie in Selb

Dank des jahrelangen Einsatzes und großen Engagements des Selber Porzellanfabrikanten Kommerzienrat Philipp Rosenthal wurde die Gründung der Porzellan-Fachschule von dem Königlich-Bayerischen Staatsministerium beschlossen.

1907 wurde Fritz Klee zu Ministerialrat von Blaul gebeten; dieser eröffnete ihm „...dass er von vielen Stellen als der geeignete Mann für den Aufbau und die Leitung der Schule bezeichnet werde.“3
Fritz Klee war anfangs jedoch von dieser Aufgabe nicht unbedingt angetan, denn er wollte seinen umfangreichen Tätigkeitsbereich und die interessanten Arbeitsmöglichkeiten in der Großstadt München, wo sich die Künstler tummelten, nicht für eine schwer einschätzbare Beschäftigung in der Provinz aufgeben.
„Viele Gespräche und sanfter Druck von Ministerium waren notwendig, bis Fritz Klee schließlich bereit war, diese schwierige Aufgabe zu übernehmen.“4

1908 wurde Fritz Klee vom Königlich Bayerischen Staatsministerium für Unterricht und Kultus mit der Leitung der geplanten Porzellanfachschule in Selb betraut.
Er organisierte unverzüglich den Aufbau der Schule. Eine Art „Vorschule“ bis zur offiziellen Eröffnung der Fachschule fand zunächst behelfsmäßig im Rathaussaal statt.
Damals wohnte Fritz Klee in der Lorenz - Hutschenreuther Str. 8. in Selb.

Am 1. April 1909 erfolgte die offizielle Eröffnung der Fachschule für Porzellanindustrie in Selb.

Zwischenzeitlich waren die Räumlichkeiten dafür in das alte Volkschulgebäude, dem heutigen „Städtischen Jugendzentrum“, verlegt worden.
Die damaligen baulichen und räumlichen Verhältnisse der Fachschule waren nicht unbedingt optimal. Es bestand beispielsweise, aufgrund der Größe des Brennofens, nicht die Möglichkeit, das ganze Porzellan selbst zu brennen, dies musste auch in den Selber Manufakturen durchgeführt werden und brachte oft unnötige zeitliche Verzögerungen mit sich, manchmal verschwanden sogar Entwürfe.
Sehr schnell war klar: Es musste ein neues Gebäude errichtet werden, selbst Studienrat Dasio, der im Auftrag der Regierung 1910 die Fachschule besuchte, bemängelte den Zustand des Schulgebäudes. Zudem waren die Unterrichtsräume sehr klein, die Schüler waren sehr beengt untergebracht, und für die notwendigen technischen Einrichtungen hatte man sehr wenig Platz.
Trotz dieser Widrigkeiten wurde in der Fachschule für Porzellanindustrie in Selb von Anfang an das Beste gegeben und sowohl gute kunsthandwerkliche und als auch beste technische Leistungen erzielt. Zwar wirkten die ersten Entwürfe der Schüler damals noch ein wenig unbeholfen, doch es gelang den Ausbildern in zunehmendem Maße, das Niveau der künstlerischen Gestaltung und Formgebung zu heben. So konnten auch Modelle, die in der Fachschule entworfen wurden, an die Industrie weiterverkauft werden.

1911 gab es bereits die ersten 35 Absolventen der Königlich Bayerischen Fachschule, die anschließend in der Industrie eine Anstellung fanden.

Inserat der Fachschule für Porzellanindustrie in Selb, September 1913
Inserat September 1913

Oberlehrer Veit war Prof. Fritz Klee zur damaligen Zeit eine große Hilfe, von ihm stammten sehr viele hervorragende Porzellan–Plastiken, vorwiegend Tierfiguren, die unschwer von den Arbeiten Klees zu unterscheiden sind.

Raubvogel, Gräf & Grippner, Entwurf Veit
Ein Entwurf von Veit,
der von Zeh Scherzer & Co. und
Gräf & Grippner produziert wurde.

Als 1913 von den Porzellanfabrikanten Franz und Jette Heinrich sowie Ernst Adler ein Grundstück gestiftet wurde, rückte der Fachschulneubau ein wenig näher.
1914 beschloss der Selber Stadtrat, nach vorhergehenden Gesprächen mit dem Staatsministerium, den Fachschulneubau in Angriff zunehmen. Aufgrund der mangelnden finanziellen Mittel und der „Kriegswirren“ konnte erst 1919 mit dem Bau begonnen werden. Die ersten architektonischen Pläne von Fritz Klee für das neue Schulhaus wies jedoch die Oberste Baubehörde des Ministeriums zurück, erst nach langwierigen Debatten - die ersten Entwürfe von Fritz Klee müssen sehr imposant und wahrscheinlich viel zu kostspielig gewesen sein - konnte man sich auf einen etwas veränderten und raummäßig verkleinerten Klee-Entwurf einigen.

Am 5. Mai 1921 konnte Prof. Fritz Klee mit den Schülern und Lehrern endlich in die von ihm entworfene und geplante „Neue Fachschule“ in der Weißenbacher Str. 60 in Selb einziehen.

Fachschule für Porzellanindustrie in Selb

Ziele und Aufgaben der Fachschule für Porzellanindustrie / Selb

Grundgedanke der Schule war nicht nur die Ausbildung von kompetenten und kreativen Fachkräften mit praktisch-technischen Fähigkeiten, sondern auch die ansässige Industrie mit neuen Formen und Entwürfen für Gebrauchs- und Zierporzellan zu versorgen. Es galt, den gewerblichen Nachwuchs auszubilden, ein Höchstmaß an praxisorientiertem Wissen zu vermitteln. Der Schüler sollte befähigt werden, aus dem gegebenen Material mit den geeignetsten handwerklichen Mitteln das formal Bestmögliche zu schaffen und den „Zeitgeschmack“ zu treffen - was nicht immer einfach war, denn einerseits sollte jeder individuell seine künstlerische Begabung und Neigung entfalten können, andererseits musste der Entwurf markt- und industrieorientiert sein, also gut verkäuflich und fabrikationstechnisch machbar. Neue Formen und Dekore entstanden unter der strengen Aufsicht von Fritz Klee, dessen Ausbildungsrichtlinien sehr klar formuliert waren.
Die Tatsache, dass später zahlreiche Schüler Schlüsselpositionen in der Industrie einnahmen, bewiesen die Richtigkeit seines Führungsstils und seiner Einschätzung der Bedarfssituation.
Hier ein kleiner Auszug der Männer, die durch „Klees Schule“ gingen:
Christian Modrack, Karl Bareuther, Georg Krautheim, Hans Achtziger, Otto Keil, Karl Leutner, Franz Heinrich jun., Adolf Dorn, Hans Wohlrab, Hans Scharrer, Erich Höfer. Insgesamt war die Erwartungshaltung an die Fachschulen sehr hoch, sie mussten sich immer wieder als Gesamtheit profilieren.

1913 schrieb die „Deutsche Kunst und Dekoration“ über die kunstgewerblichen Fachschulen, die der Oberaufsicht des Königlich Bayerischen Kultusministeriums unterstellt waren: „Die erzieherische Tendenz dieser Schulen geht ganz und gar nicht aus auf die Züchtung genialistischer Künstler. Die Schulen wollen und sollen das Gewerbe heben, ihr Erfolg wird also weniger nach der individuellen Einzelleistung, als nach dem Gesamtresultat der einzelnen Schulen zu bemessen sein.“ 5 Sicherlich ein großer Druck für die damaligen Schüler und Ausbilder, die stets ihr fachliches und künstlerisches Können erneut beweisen mussten und auch die Öffentlichkeitsarbeit nicht versäumen durften.

1926 gestalteten Prof. Fritz Klee und seine Mitarbeiter, anlässlich des 500jährigen Stadtjubiläums in Selb, eine Porzellanausstellung, die wegweisend für die Ausstellungen der folgenden Jahre war. Auf seine Anregung hin wurden im Jahre 1936 Fachlehrgänge für den Keramikhandel eingerichtet. 6 Zudem entwarf er eigens für diese Ausstellung eine Eintrittsplakette.

Der Absolvent der Fachschule für Porzellanindustrie war „Staatlich geprüfter Porzellanmodelleur bzw. Porzellanmaler“, er war sowohl Künstler und als auch ein wertvoller Mitarbeiter für die Industrie.

Der Mensch Fritz Klee und seine Leistungen

Laut Erzählungen war Fritz Klee ein strenger, autoritärer Lehrer mit enormer Ausstrahlung, eine Kämpfernatur, wenn es darum ging, fachliche und künstlerische Ansichten durchzusetzen. Immer zielstrebig und ehrgeizig bemüht, seine Ausbildungsrichtlinien auf die Belange der Industrie einzustellen - eigentlich nicht nur ein guter Künstler oder Architekt, sondern auch ein sehr guter Kaufmann. Als Mensch und Vorgesetzter sicherlich nicht immer bequem, er war eine starke Persönlichkeit mit großem Durchsetzungsvermögen. Oft kannte er kein Pardon, nach dem Motto „...er bildet aus, ordnet an- basta!“ 7

Hans Achtziger, ein großer Modelleur und Meister in der Beherrschung der Porzellankunst, der Schüler bei Prof. Fritz Klee gewesen war, erzählte eine Begebenheit, die sicherlich sehr viel über die Art und Ausstrahlung des damaligen Fachschulleiters aussagt: Eines Tages knallte der junge Hans Achtziger die Klassentür laut zu, worauf Fritz Klee aus dem Direktorat kam und über das gesamte Treppenhaus rief: “Ein Flegel ging hinaus, man hörte es im ganzen Haus!“ In der Fachschule herrschte Sitte und Ordnung. Andererseits schildert Hans Achtziger ihn als Lehrer mit Einfühlungsvermögen, wenn es darum ging, Talente und außergewöhnliche Begabungen zu erkennen und zu fördern.

Doch Klee lebte nicht nur für seine Arbeit, er konnte humorvoll sein, liebte das Lachen und nahm aktiv am gesellschaftlichen Leben in Selb teil.
Von Hans Achtziger, einem der letzten lebenden Zeitzeugen, weiß ich, dass Fritz Klee auch wöchentlich an einem Stammtisch im "Grünen Baum" in Selb teilnahm, ein Treffpunkt aller honorigen Persönlichkeiten der Stadt.
So war er auch 1911 Mitbegründer des „Casino-Vereins“ in Selb und fertigte die Entwürfe und Pläne für den damaligen Bau an. Das „Casino“ war zwischen den beiden Weltkriegen ein stark frequentierter Ort der elitären Selber Gesellschaft. Dort fanden Bälle und Feste statt, es gab auch ein Laientheater unter Klees Regie.
Eine gute Generation später wurde das „Casino“ von Rosenthal erworben.

1910 entwarf Fritz Klee den Ausstellungsraum auf der Weltausstellung in Brüssel.

An der Berliner Kunstausstellung 1911 beteiligte sich die Fachschule für Porzellan-Industrie, vorwiegend mit Porzellanentwürfen von Fritz Klee.

Mehrere Porzellanfabriken wie Lorenz Hutschenreuther, Zeh Scherzer & Co., Paul Müller, Heinrich & Co. etc. haben zahlreiche Entwürfe von ihm und seinen Schülern in ihre Produktionsprogramme aufgenommen. Die Modelle waren geschmackvoll, fabrikationstechnisch machbar und gut verkäufliche Erzeugnisse, sie hatten Seele.

Papageitaucher, Zeh Scherzer & Co., Rehau
Zeh Scherzer & Co. Entwurf Fritz Klee
Dose mit Maskaronen, Pf. Paul Müller, Selb
Paul Müller Entwurf Prof. Fritz Klee
Die gleiche Form produzierte auch
Hutschenreuther mit kleinen Unterschieden am Dekor
1911 ernannte man Fritz Klee wegen seiner hervorragenden Leistungen zum Königlich Bayerischen Professor.

1912 wurde er Mitglied im Deutschen Werkbund. Im selben Jahr machte er den Raumentwurf für die Rosenthal - Ausstellung auf der Bayerischen Gewerbeschau, München.

1917 erwarb Lorenz Hutschenreuther AG die Porzellanmanufaktur Paul Müller. Die Manufaktur Paul Müller besaß bereits eine bescheidene Kollektion von Zierartikeln, die größtenteils Prof. Fritz Klee entworfen hatte.
Darauf aufbauend wurde 1917 als Erweiterung der Lorenz Hutschenreuther AG, die „Abteilung für Kunst“ im Zweigwerk Paul Müller gegründet. Bereits 1917 hatte Prof. Fritz Klee laut Katalog „Hutschenreuther Museum“ die künstlerische Leitung der Kunstabteilung inne, nicht zu verwechseln mit dem Direktor oder der technischen Leitung.

1918 präsentierte der damalige Direktor der Kunstabteilung, Emil Mundel, die Kollektion der Öffentlichkeit. Im wesentlichen handelte es sich hierbei um Dosen, Vasen, kleinere Gefäße und Tierplastiken. In „175 Jahre Hutschenreuther“ wird weiterhin beschrieben, dass die Entwürfe, gefertigt von Fritz Klee, Fachoberlehrer Veit und den Schülern der Fachschule, zum Teil noch ein wenig unbeholfen wirkten, einige der Porzellanplastiken waren mit einer stark farbigen Aufglasurmalerei versehen.8 Auch sehr starke Fonds, vorwiegend in kräftigen Farben, waren sehr beliebt und fanden bei diversen Zierartikeln immer wieder ihre Anwendung.

Vase, Pf. Lorenz Hutschenreuther, Abteilung für Kunst Vase, Pf. Lorenz Hutschenreuther, Abteilung für Kunst Dose, Pf. Lorenz Hutschenreuther, Abteilung für Kunst
Allein in der Hutschenreuther Abteilung für Kunst gab es zur damaligen Zeit rund 200 Modelle von Figuren, Vasen, Schalen, Dosen und Lampenfüße, die in der Fachschule entworfen wurden, meistens von Prof. Fritz Klee selbst.

1919 entwarf Fritz Klee den berühmten Löwen der Hutschenreuther Bodenmarke, heute noch Markenzeichen auf Millionen Porzellanteilen.

1922 übernahmen der Bildhauer Karl Tutter und Carl Werner, letzterer als technischer Leiter, die künstlerische Betreuung der Abteilung für Kunst.

Prof. Fritz Klee und seine prägnanter Stil

Bei den Entwürfen Prof. Fritz Klees, lässt sich sehr schnell seine Vorliebe für einfache Formen erkennen, die oft erst durch die Bemalung enorme Aussagekraft erhielten. Ein immer wiederkehrendes Thema bei seinen Entwürfen war die Ornament-Bemalung, eine Art Spiel mit abstrakten Formen, die sich wiederholen und so ein Muster ergeben.
Im Laufe der Zeit hat er einen sehr prägnanten Stil entwickelt. Bösartige Zungen behaupten sogar, „Kennst Du einen Klee, kennst Du alle!“ Dieses Bild trügt, selbst geübte Sammler sind immer wieder überrascht, wie vielfältig und ideenreich er doch in seiner Gestaltung sein konnte. Die Tatsache, dass viele seiner Schüler versucht haben, seinen Stil zu imitieren und Elemente seines Ausdrucks übernommen haben, erschwert die Suche nach Exponaten von Fritz Klee. Zudem waren nicht alle seine Entwürfe, wie viele meinen, mit „Entwurf Prof. Fritz Klee Direktor der K. Fachschule“ gekennzeichnet.“

Bei der Erschaffung seiner Plastiken legte er keinen großen Wert auf die präzise Wiedergabe der naturalistischen Elemente. Er sah vielmehr das Gesamtbild, und seine Stärke lag darin, die Dinge in ihrem Charakter zu erfassen und sich bei der Formgebung auf das Wesentliche zu beschränken. Er war Meister des Stilisierens, mit großem Einfühlungsvermögen war er in der Lage, seinen Werken einen enormen Ausdruck zu geben und die „..eindringliche Kraft der Modellierung u. schwungvolle Silhouette zeichneten seine Tierplastiken aus.“9

Schopwachtel, Pf. Lorenz Hutschenreuther, Abteilung für Kunst Wiesel, Pf. Lorenz Hutschenreuther, Abteilung für Kunst Sittich, Pf. Lorenz Hutschenreuther, Abteilung für Kunst

Gerade in den Zwanziger Jahren wurden seine Entwürfe immer differenzierter. Es entstanden Déjeuners, Tafelaufsätze, Vögel der exotischen Fauna ferner Länder, Dosen und Deckelvasen mit Art-Deco-Staffierungen.
Die Inflation machte in vielen Porzellanfabriken den verstärkten Export diverser Kunst und Zierporzellane notwendig.
Produziert wurde, was gefällt! Doch ein ständiges Erarbeiten neuer Formen, um die Industrie zu „füttern“, war nicht immer leicht. So wurden sicherlich nicht nur bei Hutschenreuther ältere Modelle ein wenig umgestaltet, manchmal nur das Dekor, häufiger jedoch erfuhr die Form eine kleine Veränderung. Auch alte Entwürfe von Prof. Fritz Klee wurden „aufgemotzt“ und trugen in ihrem „neuen Kleid“ nicht mehr die Marke „Entwurf Prof. Fritz Klee Direktor der K. Fachschule“, sondern nur noch Hutschenreuther/Abteilung für Kunst. Die Modellnummer blieb jedoch nach der Veränderung der Form meistens die gleiche.

Zudem änderte man mit der Zeit auch der Farbton des Porzellans; so waren die ersten Entwürfe von Prof. Fritz Klee, sofern Sie nicht bunt staffiert waren, in einem „reinen Weiß-Ton“, später, in den 30er Jahren, in einem „gelblichen Weiß-Ton" ausgeführt, es lässt sich schon leicht eine Tendenz zum elfenbeinfarbigen Porzellan erkennen.

Uhu, Pf. Lorenz Hutschenreuther, Abteilung für Kunst
Links Hutschenreuther/Abteilung für Kunst
ohne Marke „Entwurf Prof. Fritz Klee..“
Ausformung 30er Jahre, Modellnr.: 28
Uhu, Pf. Lorenz Hutschenreuther, Abteilung für Kunst
Rechts Hutschenreuther/Abteilung für Kunst
„Entwurf Prof. Fritz Klee..“
Ausformung 20er Jahre, Modellnr.: 28
Prof. Fritz Klee verlässt Selb und die Fachschule

1939 verlässt Prof. Fritz Klee nach einer arbeitsreichen und erfolgreichen Tätigkeit von 31 Jahren auf eigenen Wunsch Selb und die Fachschule für Porzellanindustrie.
Der „Freidenker“ Klee kam mit den Nationalsozialisten nicht zurecht, er zog mit seiner Frau Frieda Klee, geb. Rödel, nach Stuttgart – Sillenbuch.
Doch das war nicht das Ende seines Schaffens, nach dieser Zeit entstanden noch zahlreiche Grafiken von ihm, eine Art schöpferischer Zeitvertreib.

Buntstiftzeichnung von Prof. Fritz Klee   Buntstiftzeichnung von Prof. Fritz Klee
Buntstiftzeichnungen der 50er Jahre
von Prof. Fritz Klee

Noch mit 99 Jahren übte sich der Professor täglich im Zeichnen und Kleben farbenfrischer Collagen.
Prof. Fritz Klee wurde 100 Jahre alt. Er starb am 12.12 1976 in Stuttgart.
Ein großer Mann mit Prinzipien, der sein Leben der Kunst gewidmet hat.

Seine bedeutende Porzellan-Sammlung vermachte er dem Württenbergischen Landesmuseum.
Dem Stadtmuseum in München schenkte er in den 50er Jahren seine Theater-Puppen, die Besonderheit seiner Puppen lag darin, dass unüblicherweise die Köpfe der Theater-Puppen aus Porzellan sind.
Laut Aussage Herrn Wegners vom Münchner Stadtmuseum, wurden die Puppen im Zeitraum von 1910 - 1935 gefertigt. Zur Faschingszeit führte man für die Kinder der Porzelliner im Casino Vereinhaus in Selb ein Puppentheater auf. Die Hauptakteure waren meistens Prof. Fritz Klee mit zwei weiteren Mitspielern, u.a. auch mit Karl Himmelstoß.

Theaterpuppe Theaterpuppe Theaterpuppe
Hier nur drei Beispiele, der sehr ausdrucksstarken Theater-Puppen von Prof. Fritz Klee.
Die Köpfe sind nur teilweise glasiert, meist die Augen oder Mundpartie, man sieht nicht unbedingt,
dass sie aus Porzellan sind. Die Bemalung ist eher matt.

1993 fand eine Ausstellung seiner Grafiken der 50er und 60er Jahre in der Rathausgalerie von Veitshöchheim statt. Neben Buntstiftzeichnungen wurde auch eine kleine Auswahl der kunstgewerblichen Arbeiten Fritz Klees präsentiert.

Sollte Sie die Sammel-Leidenschaft einmal nach Selb führen, um dort beispielsweise im August die große „Porzelline“ ( sehr großer Porzellan-Antikmarkt ) zu besuchen, werfen Sie doch noch einen Blick auf das repräsentative Empfangsgebäude des Bahnhofes am Goetheplatz 1, ein Entwurf des Architekten Prof. Fritz Klee. Das Gebäude steht unter Denkmalschutz und ist bis auf wenige Details noch original erhalten.

Aus der Sicht des Sammlers:

Bei der vorhergehenden Recherche dieses Artikels konnte ich keine Verbindung von Prof. Fritz Klee zu Paul Klee herstellen, also weder verwandt noch verschwägert – leider!
Wer kann die Freude am Besitz so überflüssiger, kleiner „Kostbarkeiten“ besser verstehen, als der Sammler.

Abschließend ein Dankeschön an die Menschen und Institutionen, die mir bei der Recherche sehr behilflich waren.

Herrn Demel, stellvertretender Direktor der Porzellan-Fachschule in Selb a.D.
Herrn Hans Achtziger, ein großer Modelleur und ehemals Leiter der Hutschenreuther Kunstabteilung a.D.
Herrn Rübin, Stadtarchiv Selb
Stadtarchiv Stuttgart
Stadtarchiv München
Stadtmuseum München
Fotos der Exponate von Axel Vetter
Porzellanmarken von Prof. Fritz Klee:
Bodenmarke 1 Bodenmarke 2 Bodenmarke 3 Bodenmarke 4

Literatur:
Festschrift „75 Jahre Staatliche Fachschule für Porzellan“,1984
Siemen,Wilhelm, „175 Jahre Hutschenreuther“, 1989
„Edles Porzellan“ Figuren der Porzellanfabrik L. Hutschenreuther, G. Westermann Verlag, 1960
„100 Jahre Porzellan“ Hutschenreuther
Thieme - Becker

1 vgl. Thieme – Becker, XX S 424
2 Auszug aus der „Stuttgarter Zeitung“, vom 23.8.1966
3 Festschrift „75 Jahre Staatliche Fachschule für Porzellan“, 1984, S 9
4 Festschrift „75 Jahre Staatliche Fachschule für Porzellan“, 1984, S 10
5 „Deutsche Kunst und Dekoration“, 1913, XVI Jahrgang, Heft 6. S 511
6 vgl. Auszug aus der „Stuttgarter Zeitung“, vom 23.8.1966
7 vgl. Auszug aus dem „ Selber Tagblatt“, vom 23.8.74
8 vgl. Siemen Wilhelm, „175 Jahre Hutschenreuther“, S. 66
9 Thieme – Becker, XX / 424
10 Auszug aus den „Stuttgarter Nachrichten“, vom 22.8.75
2001-2009 Porzellansammlung.de

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